Bei den Koglers stimmt die Chemie

Walchen, ein kleiner Ort im wunderschönen Attergau und das Domizil von Familie Kogler. Gerade angekommen, wird man freundlich auf tirolerisch begrüßt. Wir setzen uns in den Garten, mit Blick auf die Koppeln, wo die Pferde friedlich grasen und Michi erzählt ihre Geschichte.

Dabei spielen vor allem die Gene eine große Rolle, denn schon als kleines Mädchen hatte Michi nur Pferde im Kopf. Geboren und aufgewachsen in Tirol, lernte Sie in der hiesigen Reitschule das 1×1 des englisch Reitens. Papa Hansjörg, ganz der Cowboy, erfüllte sich schließlich auf Drängen seiner Tochter einen Lebenstraum und erstand über deutsche Freunde sein erstes Quarterhorse.

„Was will er jetzt mit dem Haflinger!“

Die Palomino-Stute wurde kurzerhand im Stall des Onkels mitsamt der Zwerghasenzucht von Michi einquartiert und gemeinsam mit Lechner Franz und anderen tiroler Cowboys wurden Kurse organisiert und Trainer aus Amerika und Kanada geholt. Dieses Wissen gab Papa Kogler an seine begeisterte Tochter weiter, sodass es nicht lange dauerte, bis die ersten Turniere anvisiert wurden und sich das Netzwerk der Familie Kogler um den deutschen Trainer Steffen Breug erweiterte.

Doch ein Pferd kommt selten allein und ein Pony für Michi musste her. Nur dass Michi dem Pony nicht Herr wurde, woraufhin das Pony gegen einen 3-jährigen Hengst getauscht wurde, der weder Halfter noch Hänger und schon gar keinen Sattel kannte. Aber er war brav und das genügte der 12-jährigen Michi.

„Ich mag alle Pferde, aber ich habe ein kleines Faible für Hengste.“

Später wurde der Hengst kastriert, die Palomino-Stute gedeckt und zwei weiter Wallache zum Turnierreiten gekauft. Den Sommer verbrachte Michi, damals 15 Jahre alt, zum Training bei Steffen Breug und in Tirol konnten auf diversen Turnieren erste Erfolge gefeiert werden.

Nach der Matura hieß es dann „auf in die große weite Welt“. Michi packte ihre Sachen und flog in die USA ,um auf der Ranch des deutschen Werner Hermus in Gainsville zu arbeiten. Trainer Tim Moss erkannte rasch ihr Talent und riet ihr zu einem eigenen Pferd. Stute „Rooster Hickory aka JLo“ wurde gekauft und von da an waren die beiden nicht mehr zu stoppen. Schlussendlich qualifizierten sie sich für die Youth World Show und belegten den fantastischen 16. Platz von ca. 150 Teilnehmern.

Michaela Kogler und Rooster Hickory bei der Youth World Show
Youth World Show: Michi & Rooster Hickory

Mit der Empfehlung von Tim Moss im Gepäck und „Colonel Cielo aka Rooney„, dem Halbbruder von JLo, ging es nach Overbrook in Oklahoma, auf die Ranch von Ginger und Craig Schmersal. Drei harte, aber vor allem lehrreiche Monate warteten auf Michi. Ihre Aufgabe bestand hauptsächlich aus Satteln und Warmreiten der Pferde für Craig Schmersal. Zwei, von denen Michi besonders viel lernen konnte, waren die herausragenden Hengste „Boom Shernic“ (LTE: $ 278,303) und „Mr. Dual Rey“ (LTE: $ 164,000)

Zurück in Österreich begann für Michi das Studium der Chemie in Innsbruck und ihre Eltern suchten nach einer Immobilie für die Koglers mit zwei und vier Beinen. Vor allem der Bestand der vierbeinigen Kogler wuchs stetig. Zwei weitere Amerikaner, eine Stute und ein Hengst, beide aus der „Nu Chex To Cash“-Linie, wurden nach Österreich importiert und durften im Frühjahr 2008 gemeinsam mit den anderen auf den Hof in Walchen übersiedeln.

Schnell fühlten sich alle Zuhause und die Koppel wurde kurzerhand zum Trainingsplatz umfunktioniert, um sich auf die bevorstehende Futurity bei H&D Schulz in Wr. Neustadt vorzubereiten. Viel Zeit blieb Michi und der damals 3-jährigen „Nu Sugar Pep aka Rosie“ nicht zum Trainieren, trotzdem schafften es die Beiden ins Finale. Ein Jahr später holten sie sich den Sieg in der Klasse „Snaffle Bit 5 & under“. Doch so gut es auch lief, die kleine Amerikanerin war sehr staubempfindlich und hustete viel. Tierärzte wurden aufgesucht und eine Gräserallergie diagnostiziert.

Nu Sugar Pep aka Rosie
Nu Sugar Pep aka Rosie

„Das ist ein bisschen mein Schicksal, wenn ich ein Pferd habe – vor allem meine Lieblingspferde – dann ist immer irgendwas.“

Ähnlich ging es mit „Colonel Cielo aka Rooney„. Viele Trainingsstunden flossen in die Vorbereitung auf namhafte Turniere und 2009 kamen dann auch die ersten Erfolge. Doch auch dieses Glück blieb nicht von langer Dauer, da bei dem Hengst eine chronische Hufgelenksentzündung festgestellt wurde. Nach langem Hin und Her und unzähligen Klinikbesuchen, half die Therapie von Dr. Tilen Klevisar, sodass „Rooney“ mittlerweile schmerzfrei ist. Er kann zwar nicht mehr geritten werden, vererbt aber sein Talent und seinen tollen Charakter als Deckhengst an seine Fohlen weiter. Seine älteren Nachkommen sind jetzt 3-5 Jahre alt und entwickeln sich prächtig.

Quarterhorse Hengst Colonel Cielo von Galo del Cielo
Colonel Cielo aka Rooney

MCHIS ZUCHTGEHEIMNISSE

Darauf angesprochen, worauf es ihr bei der Zucht ankommt, erfährt man so allerhand interessante Tipps und Tricks. Michis Augen beginnen zu leuchten und sie verrät mir, worauf sie genau schaut.

Da sind zum Einen die Äußerlichkeiten, die Pferde müssen korrekt gebaut sein und Ausstrahlung haben. Aber vor allem auch viel Herz, denn ein perfektes Pferd ohne Herz bringt einem nichts.

„Ich liebe Pferde die alles für einen geben, auf die man sich komplett verlassen kann. Die WILLINGNESS TO PLEASE, wie man so schön sagt, ist das Wichtigste.“

Bei den Zuchtstuten schaut sie darauf, dass sie etwas geleistet haben bevor sie in die Zucht gehen und die Abstammung muss ansprechend sein.

Anpaarungen verlangen Recherche und die holt sie sich zum Teil im Internet. Magic Cross von Equistat kommt für Recherchezwecke zum Thema „Welche Anpaarungen haben schon gut funktioniert?“immer wieder zum Einsatz, sowie die Beobachtung des Legacy Sales wenn es darum geht, Nachwuchstalente zu entdecken.

Welche Linien gut zusammen passen, entscheidet sie nach den Merkmalen der Pferde. Aus der Linie des „Gallo del Cielo“ beispielsweise kommen kalte, ruhige Pferde. Ideal ist hier ein spritziges Pferd, zum Beispiel aus der „Topsail Whiz„-Linie. Diese beiden Merkmale gleichen sich aus und ergeben die optimale Mischung.

Michi hat natürlich ihre Präferenzen, wie „Smart Chic Olena“ und „Colonels Smoking Gun„, wobei sie bei den „Gunnern“ ganz genau hinsieht, denn hier kommt es auf die Bewegung an.

„Wenn einer sich gut bewegt ist das toll, weil normalerweise bewegen sich die nicht so gut.“

Einen Glücksgriff machte sie vor 3 Jahren, als sie über ein paar Ecken den Samen von „Smart Chic Olena“ bekommen hat und ihre Stute „Rooster Hickory aka JLo“ damit besamte. Heraus kam der kleine Hengst „Thisrootstergotsmarts aka Georgy„, der sich prächtig entwickelt und bereits als 1-jähriger Halter-Erfolge feierte bei der Austrian QH Championship 2016:

• Austrian Reserve Champion Yearling Stallions Open
• Austrian Reserve Champion 2&under Stallions Amateur
• Austrian Futurity Reserve Champion Yearling Stallions
• AQHA Show: 2nd & 3rd Place Yearling Stallions Open
• AQHA Show: 2x2nd place Yearling Stallions Amateur

Wie könnte es anders sein, will Michi den mittlerweile 2-jährigen Hengst behalten.

„Leider kann man nicht alle Pferde behalten, und es sind gerade die, die man nicht hergeben will, die sich am besten verkaufen.“

Ansonsten findet der Verkauf der Pferde hauptsächlich über Mundpropaganda und Michi Koglers Facebookaccount statt. Aus Kunden werden Freunde und man bleibt im engen Kontakt, denn glückliche Käufer sind das A und O.

Zur Zeit besitzen die Koglers 9 eigene Pferde, davon 2 Zuchtstuten und 2 Zuchthengste. Auf einen davon ist Michi besonders stolz. „Heza Slidingunner aka Gunnerino“ hat sie vor 4 Jahren in Italien entdeckt. Wie nicht anders zu erwarten war er das schwierigste Pferd im Stall und eigentlich wollte man sie nicht einmal Probereiten lassen. Aber Michi konnte sich durchsetzen und es lief einigermaßen gut, sodass sie den Hengst um einen guten Preis erwerben konnte. Doch es wartete viel Arbeit auf die beiden, denn war er einmal in Fahrt konnte man ihn nicht mehr bremsen. Mit viel Geduld, Stangentraining und Longearbeit ist langsam Licht am Ende des Tunnels und Michi kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus.

„Er ist mittlerweile so ein braves Pferd, wahnsinnig talentiert, bewegt sich gut und hat tolle Manöver. Gunnerino macht soviel Spaß zu reiten.“

Quarterhorse Hengst Heza Slidingunner von Colonels Smoking Gun
Heza Slidingunner aka Gunnerino

Versteht sich, dass beide Zuchtstuten von „Heza Slidingunner“ tragen und sein Talent in Zukunft nicht nur auf Turnieren vorgestellt, sondern auch in der Zucht eingesetzt wird.

Mit zweit jungen Stuten ist sie im Trainig bei Markus Gebert. „Saturdaynight Storm aka Angel“ trainiert sie seit 2017 mit ihm und „Lil Miss Rooshine aka Coco“ kam im Oktober 2016 ins Training zu ihm. Beide entwickeln sich hervorragend und mit Angel konnten auch schon internationale Erfolge in Cremona (Italien), Tschechien und Deutschland erzielt werden:

• IRHA IRHBA Futurity Non Pro 3 yo Level 1&3 – Finalist
• Ranch Happy Hour 4yo Futurity Level 1,2,3 – Co-Champion
• Ranch Happy Hour 4 yo Non Pro Level 4 – 3rd Place

• ARHA Futurity Non Pro 4 yo Level 1&3 – Finalist
• IRHA NRHA Derby Cremona Level 1-3 – Finalist
• NRHA GER Derby Level 1&2 – Finalist

Saturdaynight Storm und Michaela Kogler in Kreuth
Michi & Saturdaynight Storm in Kreuth

Bleibt mit Spannung zu erwarten wie es mit Michi und ihren Pferden auf den Shows und in der Zucht weiter geht. Wir bleiben dran!

Auf die Frage welche Wünsche da noch offen bleiben antwortet Michi keck:

„Mit „Wimpys Little Step“ würde ich gerne einmal decken, einen kleinen Wimpy hätte ich wahnsinnig gerne. Aber den würde ich nicht hergeben.“

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